keep breathing

da hat sie also ein paar mal angeklopft, die gute alte bekannte.

und es war gar nicht schlimm. kurz in der imaginären fotokiste gekramt, aber am ende den deckel wieder fest auf den karton gepresst. manchmal mag er noch aufgehen, aber der fürchterliche beigeschmack bleibt aus. ab und zu sind da noch dinge die rausmüssen, sich aber nur noch halb so schlimm anfühlen, sobald sie ausgesprochen sind. akzeptieren wer und wie man ist. ja, ich bin aufgescheucht. ja, ich will jede woche mindestens zehn andere bücher anfangen zu lesen, bäume ausreissen und all mein hab und gut verkaufen. ja, ich brauche abwechslung. und ja, manchmal bin ich das komplette gegenteil. mit mir wird es nie langweilig werden. ich rede viel zu viel, einfach weil da so viel ist worüber ich nachdenke. so viel, was geteilt werden will. ich mag es zu reden und zu diskutieren und in einer sache vollends aufzugehen. ich weiß, dass auf mein bauchgefühl verlass ist und weiß, wann ich auf was keine lust habe. ich höre trotzdem manchmal nicht richtig in mich hinein und ärgere mich dann ein bisschen. ich kann nein sagen ohne mich mehr rechtfertigen zu wollen. ich liebe kleine dinge, die sonst kaum jemand sieht. ich schaue in den spiegel und finde mich schön. ich bin nicht egoistisch, nur weil ich auf mich acht gebe. ich liebe es vom ehrgeiz gepackt zu werden und mit einer sache nicht aufhören zu wollen, bis ich sie perfekt mache. ich könnte stundenlang so weitermachen.

die innere mitte zu finden ist gar nicht mal so einfach. den rasenden alltag ausblenden und zu sich zurück finden, in sich hinein zu schauen. gedanken überschlagen sich, wörter kreuzen ihre wege und buchstaben flattern kreuz und quer durch meinen kopf. lange ausatmen. die wörter, buchstaben und gedankenfetzen halten kurz inne. wie von blei beschwert sinken sie langsam gen boden und fangen an unscharf zu werden. einatmen. die umrisse werden immer unschärfer, beinahe nicht mehr zu erkennen. für einen moment steht alles still. da ist einfach dieses unfassbar schöne und energiegeladene NICHTS. alles fühlt sich so ausbalanciert und federleicht an.

inhale. exhale.

keep breathing.

bright and early

hier sitze ich also. 23 jahre (jung oder alt das weiß keiner so genau), in meiner glücksbärchi leggins.

kaffee, schwarz. über mir ein vom regen dunkel gefärbter sonnenschirm. regen prasselt monoton und beruhigend auf ihn herunter. ein paar tropfen verirren sich auf den tisch unter ihm. ich wünschte, ich hätte mir eine zigarette mit raus genommen. nochmal aufstehen ist gerade keine option.

lange habe ich nichts mehr geschrieben. also nicht irgendwelche einkaufszettel, oder zusammenfassungen für die uni. lange habe ich nichts mehr geschrieben, darüber was mich beschäftigt. was um mich herum geschieht, während die zeit vorbei rast als gäbe es kein morgen mehr. dabei will ich diese wunderbaren momente doch einfach nur alle einfangen, in ein marmeladenglas stecken und den deckel so fest verschließen, dass es beginnt zu knirschen und zu quietschen. will es immer dann aufmachen und kurz daran schnuppern, wenn mal ein paar regenwolken aufziehen. momente so perfekt, dass sie mir schon fast wieder angst einjagen. dieses der endlichkeit um jeden preis entgehen wollen.

wieso kann ich manchmal nicht einfach passieren lassen?

wieso fällt es mir manchmal so schwer, dieses glück was mir widerfährt, einfach zu genießen?

da ist diese furcht davor, dass sich irgendwann wieder dieses unfassbar tiefe schwarze loch vor mir auftut und mich mit hineinzieht, ob ich will oder nicht.

aber auch das gehört wohl dazu. sich der angst zu stellen, sich nicht zu viele fragen zu stellen und dieser beschissenen angst in’s gesicht zu sehen. sie einfach müde anzulächeln und ihr zu sagen: „du kannst mir gar nichts mehr“. jeder kennt sie doch – diese gute bekannte, die vor ein paar jahren noch deine beste freundin war. die freundschaft, die dich nie ganz erfüllte und dich an deine grenzen trieb. mit der du dich jetzt noch auf einen kaffee treffen kannst, sie aber nicht mehr jeden tag um dich haben musst. die manchmal an die tür klopft, dich sich aber nicht in alten zeiten verlieren lässt. ich denke so ist das mit mir und meiner melancholie.

fuck you, fear.